Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste.

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen

Ich akzeptiere die Vereinbarung

Expedition in die Schöpfung

„Warum machen die denn nichts?!“ brüllt Markus in den Wind. Er starrt durchs Fernglas auf das kleine Tochterboot mit den Tauchern der Gruppe 1, das etwa 500 Meter entfernt ist. Markus ist Taucher der Gruppe 2 und erst in der nächsten Runde dran. Dann, wenn Gruppe 1 wieder ins Schiff muss, um sich von dem Tauchgang zu erholen und aufzuwärmen.

Seekrank

Auf dem Mutterschiff herrscht Aufregung. Immer wieder funken wir das Tochterboot an und fragen, warum die Taucher nicht ins Wasser gehen. Das Boot befindet sich mitten in einer Gruppe von Buckelwalen, die nur wenige Meter vom Boot entfernt sind. Dann knistert das Funkgerät: „Wir kommen zurück, Gruppe 2 soll sich bereit machen.“ Was ist passiert? „Den Tauchern ist übel, wir müssen tauschen.“ Seekrank durch den starken Wellengang. Schnell holen wir die zwei völlig erschöpften und blassen Männer an Bord. Für sie ist der Tag gelaufen. Tauchergruppe 2 macht sich sofort mit dem Tochterboot auf den Weg zurück zu der Stelle, wo eben die Wale waren.

Die außergewöhnliche Anreise

Sanft wiegt sich die MS Cameleon hin und her. Das gleichmäßige Brummen des Dieselmotors dazu wirkt einschläfernd. Mit ruhigem Gesichtsausdruck steuert der einheimische Kapitän Roy das 18 Meter lange Schiff sicher durch die Dunkelheit und das Schneegestöber. In diese Atmosphäre mischt sich der Gesang eines Liedes. Die Expeditionsgruppe singt leise und mit gemischten Gefühlen „Stille Nacht, Heilige Nacht“. Es ist Heiligabend, der 24. Dezember 2018. Obwohl es erst 14 Uhr ist, herrscht draußen Dunkelheit. Wir befinden uns auf dem Burfjord und steuern die Insel Spildra an. Sie liegt 509 Kilometer nördlich des Polarkreises. Deshalb herrscht jetzt in dieser Gegend Polarnacht. Insgesamt sind wir 17 Männer und zwei Frauen.

Das Ziel dieser Expeditionsreise ist, Buckelwale und Schwertwale dabei zu filmen, wie sie Heringe jagen. Wir sind sehr gut vorbereitet und ein exzellentes Team: 2 Köchinnen, 4 Taucher, Handwerker, Drohnenpiloten, Kameraleute, Fotografen, Tontechniker, ein Notarzt und ein Skipper. Wir sind gespannt und voller Vorfreude. Trotzdem schlafen wir bald ein, es brummt und schaukelt zu schön. Schließlich liegt eine 50-stündige Anreise mit dem Auto hinter uns.

Fast am Ende der Welt

Dreharbeiten in der Barentssee sind herausfordernd. Während der Polarnacht gibt es nur ca. vier Stunden Dämmerlicht und die See ist eigentlich immer aufgewühlt. Trotzdem müssen wir genau zu dieser Zeit hierherkommen. Nur im November und Dezember kommen riesige Heringsschwärme aus dem offenen Meer in die Fjorde. Diese Heringsschwärme ziehen Buckelwale und Schwertwale an. Sie fressen sich hier ihre Speckschicht an, von der sie die nächsten Monate zehren werden. Unser Ziel ist es, einen Naturdokumentarfilm zu drehen, bei dem Gott als Schöpfer zur Geltung kommt und der Gottes Wirken in der Gegenwart bezeugt.

Tauchergruppe 2

Als die Tauchergruppe 2 an die Stelle kommt, wo eben die Wale waren, drehen sie bis zur Dunkelheit ihre Runden, aber die Wale tauchen nicht mehr auf. Am nächsten Tag ist Sturm, am übernächsten kann Kapitän Roy nicht und die nächsten Tage kommen wir nicht nahe genug an die Wale heran. Die Zeit läuft uns davon und wir bekommen nicht die Aufnahmen, die wir brauchen. Müdigkeit, Dunkelheit und Misserfolg legen sich wie ein schwerer Mantel auf die Gruppe und wir fühlen uns niedergeschlagen. Noch zwei Tage bis zur Abreise. Am Abend haben wir eine lange Diskussion und der angestaute Frust bricht heraus. Die Stimmung kippt und endet in einem Wortgefecht. Wir unterbrechen die Zusammenkunft und schleichen bedrückt in unsere Zimmer. Ein elendes Gefühl macht sich breit, Enttäuschung und Uneinigkeit. Aber als Christen können wir uns vor dem Schlafengehen wieder vertragen. Uns mahnt das Bibelwort: „Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.“ Die Kontrahenten suchen sich auf, klären den Konflikt, reichen sich vergebend die Hand und können wieder Freunde sein.

Am folgenden Morgen sind wir hoch motiviert, noch einmal alles zu geben. Der wiederhergestellte Frieden gibt uns eine unbeschreibliche, neue Kraft. Wir sind uns schnell einig, alles auf eine Karte zu setzen und einen anderen Hotspot anzulaufen. Inbrünstig beten wir, dass Gott uns noch eine Chance schenkt. Auf dem Weg zum neuen Hotspot der Wale beten wir und singen das Lied: „Ihr Streiter Christi, schwingt die Fahn´ und seid zum Kampf bereit.“ Das Lied, gemeinsam auf der rauen Barentssee gesungen, macht uns Mut und schweißt uns zusammen. Kaum angekommen, geht es sofort los. Die Wale sind da, alle fangen an zu arbeiten. Uns gelingen wunderbare Aufnahmen. Als wir die Taucher ins Boot holen, schreien sie noch im Wasser: „Halleluja, Gott hat uns erhört!“ Das sind die Geschichten, die man nur erlebt, wenn man rausgeht und sich den Herausforderungen stellt. Genau darum machen wir Expeditionsreisen.

Unsere nächste Ausgabe