Springe zu Ausgabe

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste.

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen

Ich akzeptiere die Vereinbarung

von Lena Voth

Wo ist der sicherste Ort für einen Jungvogel? Ist er in der Baumkrone des höchsten Baumes? Oder ist das Nest ausschlaggebend? Reicht eine hohe und enge Felsspalte? Betrachten wir zuerst ein Phänomen, das man in der vielfältigen Vogelwelt beobachten kann. Es ist der Einsatz der Flügel für den Schutz von Vogelkindern.

  • Pinguine kümmern sich rührend um ihren Nachwuchs, indem sie sie unter ihrem dicken Bauchgefieder ausbrüten und so vor der Kälte schützen. Dabei verlieren die brütenden Männchen ein Drittel ihres Gewichtes. Das geölte Gefieder sorgt für die perfekte Temperatur von 37° Celsius bei einer Außentemperatur von bis zu minus 80° Celsius und ist somit lebenserhaltend. Ein bemerkenswerter Akt tierischer Fürsorge.

  • Auch Hühner brüten ihre Eier unter ihrem Federkleid aus und spenden dabei die nötige Wärme. Doch die Fittiche der Henne dienen auch dem Schutz schon geschlüpfter Küken. Wird eine Henne mit ihren Küken vom Regen überrascht, sammelt sie diese unter ihren Flügeln und bietet den Kleinen Schutz vor der Nässe. Selbst dem Regen ausgeliefert, bewahrt sie ihren Nachwuchs vor der Kälte. Kommt der Henne etwas verdächtig vor, warnt sie ihre Küken, die eilig zu ihr rennen, um sich unter ihrer aufgeplusterten Mutter zu verstecken. Nimmt ein Küken die mütterliche Warnung nicht ernst und gerät in Gefahr, wird es von der flatternden und aufgebrachten Mutter gerettet.

  • Richten wir unseren Blick mal nach oben und schauen den majestätischen Adlern zu, wenn diese Segelkünstler aufmerksam über ihren Flugschülern schweben. Unter dem Schatten der Elternflügel lernt ein Jungvogel das Fliegen und das Ausnutzen der Thermik, um unter möglichst wenig Kraftaufwand große Höhen zu erreichen. Wird das Adlerkind müde, nimmt der Fluglehrer seinen Nachwuchs auf die eigenen Flügel und bringt ihn sicher zurück ins Nest.

All dies sind Paradebeispiele elterlicher Fürsorge. Kommt der Mensch in den Genuss, Tierfamilien dabei zu beobachten, wird es ihm gleich warm ums Herz und er beginnt, seine eigene Familie auf diese Eigenschaft zu inspizieren. Interessanterweise kann man unter YouTube Videos mit tierischem Inhalt Kommentare finden, die Tieren mehr Liebe füreinander zuschreiben als so manchen Menschen. Vögel helfen mit der Wärme ihres Gefieders beim Schlüpfen, schützen damit ihren Nachwuchs vor den Elementen und verstecken sie darunter, wenn Feinde zur Gefahr werden. Bei abnehmender Kraft der Flugschüler ersetzen sie das Sicherheitsnetz.

Wo ist also der sicherste Ort für junge Vögel? Wenn Vögel sprechen könnten, würden sie sicher als Antwort den Raum unter den Flügeln ihrer Eltern wählen. Wie gut hat es ein kleiner Vogel, der sich der Geborgenheit unter den Fittichen sicher sein kann! Er weiß, wo seine Zuflucht ist.

Gott nutzt das Beispiel liebevoller Vogeleltern, um uns ein Verständnis seines umfassenden Schutzes und seiner Fürsorge zu geben. Seine Schöpfung, hier insbesondere die Vogelwelt, lobt ihn durch die wunderbare Eigenschaft des Flügelschutzes und hilft uns, sein Wesen zu verstehen. Wie weise ist doch unser Gott, der seine Schöpfung als Ansichtslektion nutzt. Im 19. Psalm singt der Autor: „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes.“ Sicherlich loben auch Vögel nicht allein durch ihr Gezwitscher, sondern eben auch durch ihre Fürsorge den großartigen Schöpfer. Es lohnt sich, über die Parallelen nachzudenken.

In 5. Mose 32:11 beschreibt Gott durch das Lied Moses seinen Beistand in Israels Geschichte mit dem Bild eines Adlers, der seinen Jungen das Fliegen beibringt. Und tatsächlich erlebten die Israeliten Gottes allmächtige Flügel der Liebe, die er ihnen als Landeplatz ausbreitete. [1] König David verinnerlichte diesen Vergleich und nutzte ihn als immer wiederkehrende Metapher für seine Loblieder. Selbst unter furchterregendsten Bedingungen bringt David der Gedanke daran zur Ruhe. Während er sich vor Saul in einer Höhle versteckt, spricht er seine höchste Zuversicht aus: „Denn bei dir birgt sich meine Seele, und ich nehme Zuflucht unter dem Schatten deiner Flügel.“ (Psalm 57:2) Es ist schon erstaunlich, wie viel Trost ihm dieses Bild schenkt. In Psalm 91:4 wird das Bild mit dem Schirm und Schild der Wahrheit erweitert. Gottes „Wahrheitsflügel“, die keine Falschheit und keinen Irrtum in sich tragen, bedecken unser Denken und schützen uns vor Gedankengerüsten dieser Welt.

Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und unter seinen Flügeln wirst du dich bergen; seine Treue ist Schirm und Schild.
Psalm 91:4

 

Nicht umsonst kommen Begriffe wie Gottes Flügel, seine Fittiche und sein Schatten in der Bibel vor. Gott weiß, welche Assoziationen sie in uns hervorrufen und wir sollten uns willig unter sein Wort stellen. Fliegen wir selbst, so begleitet uns sein Schatten. Schwinden unsere Kräfte, so nimmt er uns auf seine gewaltigen Flügel. (5. Mose 32:11) Was sollte uns noch Angst machen?

Doch der wichtigste Aspekt ist der Schutz vor dem Gericht und Zorn Gottes. Jesus’ vollkommenes Opfer ummantelt uns mit seiner Gerechtigkeit, sodass wir ohne Makel vor ihn hingestellt werden.

„Auch euch … hat er nun versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod, um euch heilig und tadellos und unverklagbar darzustellen vor seinem Angesicht.“ (Kolosser 1:22)

Ähnlich erging es den kleinen Küken, deren Mutterhenne sie während eines Brandes auf dem Bauernhof unter sich scharte, um sie vor der Gefahr zu schützen. Sie überlebten unbeschadet, im Gegensatz dazu verbrannte das Feuer die Flügel der Mutter, sodass sie starb. War es bei ihr reiner Instinkt, der sie zur Retterin machte, so ist es bei unserem Herrn Jesus Christus selbstlose und liebevolle Fürsorge, die ihn dazu trieb, willentlich an unserer Stelle in den Tod zu gehen und sein Leben für uns zu lassen. Er wusste in voller Tiefe, was ihn erwartete. Markus schreibt: „… und er (Jesus) fing an zu erschrecken und ihm graute sehr.“ (Markus 14:33) Er sah sich dem Zorn Gottes ausgesetzt. „Aber dem Herrn gefiel es, ihn zu zerschlagen; er ließ ihn leiden.“ (Jesaja 53:10) Wir können uns nicht vorstellen, welchem Grauen Jesus entgegenblickte. Er hätte tausend Engel rufen können, aber er tat es nicht. Unter Jesus Fittichen, die uns vor dem Feuer der ewigen Qual beschützen, befinden wir uns an dem erstrebenswertesten Ort.

Wir sollten uns dankbar von seinen Flügeln „bedecken“ lassen, damit Gott nicht auch über uns wie damals über sein Volk sagen muss: „Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter die Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt.“ (Matthäus 23:37) Wie kann es sein, dass wir nicht wollen? Wie kurzsichtig und närrisch ist es, sich dagegen zu sträuben! Ist uns die Straußin etwa lieber, die ihre untreuen Federn schwingt und ihren Nachwuchs sich selbst überlässt? (Hiob 39:13-17) So ist unser Herr nicht! In Psalm 63:8 schreibt David auf der Flucht in der Wüste Juda: „Denn du bist meine Hilfe geworden und ich juble unter dem Schatten deiner Flügel.“ Tatsächlich kann David in seiner Not jubeln. Hier sehen wir den Frieden, der allen Verstand übersteigt. (Philipper 4:7) Selbst im Angesicht des Gerichts kann dieser Friede Zuversicht geben. Hast du diesen Frieden?



[1] Vgl. John MacArthur, Studienbibel 2002, S.322