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von AL

Gestern herrschte noch Stille bei Sonnenuntergang, heute geht die Sonne zum ersten Mal in Begleitung von Vogelgesang unter. Es wird dunkel, der Mond übernimmt seine ihm zugewiesene Aufgabe und bald schon kündigt sich abermals unter Vogelgezwitscher der sechste Tag an. Gott ruft Stück für Stück die Schöpfung ins Sein, Wunder um Wunder in jedem Detail.

Luft und Wasser wimmelt bereits von Leben und heute, am sechsten Tag, gibt Gott auch der Landfläche seine Bewohner. Tiere – viele, viele Arten von Tieren. Gott spricht und die Erde bringt sie hervor. Tiere, besonders das Vieh, sollten bald eine besondere Stellung und einen besonderen Wert für den Menschen bekommen. Überall dort, wo dem Menschen der Atem nicht ausreichen würde und eine Aufgabe zu schwer sein sollte, würde ein Tier in die Bresche springen.

Ein sprechender Esel

Einer der merkwürdigsten Berichte in der Bibel ist sicherlich in 4. Mose 22 zu finden. Dem Propheten Bileam wird durch Boten des Königs von Moab die Bitte zugetragen, das Volk Israel zu verfluchen. Im Grunde weiß er, was Gott dazu denkt, aber wer will schon gern eine königliche Anfrage, überbracht durch dessen Fürsten, ausschlagen? Einerseits also Gottes klare Anweisung, auf der anderen Seite will man auch Menschen nicht enttäuschen. Nicht zuletzt die Aussicht auf eine fürstliche Entlohnung bewegt Bileam dazu, einen Mittelweg zu probieren. Letztlich macht er sich mit seinem Esel und der fürstlichen Gesandtschaft auf den Weg. Dabei ist er so mit Blindheit befallen, dass er den Engel Gottes, der sich ihm mit gezücktem Schwert in den Weg stellt, nicht sieht. Dem Esel aber ist es gegeben, die Gefahr zu sehen und das gute Tier gibt sich alle Mühe, seinem Reiter das Leben zu retten. An einer engen Stelle kann die Eselin schließlich nicht mehr ausweichen und drückt Bileams Fuß an die Wand. Jetzt ist Bileams Geduld mit dem Tier zu Ende. Zornig schlägt er zu. So zornig und habgierig ist er, dass er gar nicht merkt, wie er ohne vor Bestürzung die Sprache verloren zu haben, ins Gespräch mit seinem Esel gekommen ist.

Hier erhellt sich eine wichtige Wahrheit für uns: Zorn und Habgier machen blind, sowohl für Wunder als auch für Gefahren. Viele Menschen sind, obwohl umgeben von Wundern, blind dafür. Der Zorn auf irgendwelche Dinge, auf Menschen, auf das Leben und auch auf Gott – alles, was sich ihnen querstellt oder Schmerz bereitet, lässt sie nur wild um sich schlagen. Oder sie sind bestimmt von Habgier und merken nicht, wie sie ins offene Messer laufen und ihr Leben jederzeit vorbei sein kann.

Nicht erst ein Esel, dem Gott es kurzzeitig gibt, Worte auszusprechen, ist ein Wunder. Auch ein normaler Esel ist schon ein Wunder und keineswegs ein dummes Tier. Beispielsweise wird erzählt, dass in den alten Zeiten Händler ihre Tiere mitsamt den Lasten über die für Menschen kaum begehbaren Pässe der Gebirge schickten. Die klugen Tiere fanden ihren Weg und brachten die Tauschwaren ohne jegliche Begleitung vom Handelspartner zurück. [1] Tatsächlich verbirgt sich Wunder und Wunderwerk von unerreichter Komplexität und Schönheit in jedem Geschöpf Gottes.

Zahme Löwen

Eine weitere biblische Geschichte, die aufmerken lässt, spielt sich in Assyrien ab. Durch ein hinterhältiges Manöver wird Daniel, der geschätzte Berater des Königs und noch höher geschätzte Diener Gottes, zu den Löwen in die Löwengrube geworfen. Aber die Löwen müssen sich noch etwas gedulden, denn Gott schickt einen Engel, der den Löwen den Rachen verschließt. Daniel wird am nächsten Morgen, zum allergrößten Erstaunen – oder besser: Entsetzen – unversehrt wieder heraufgeholt. Machen solche Geschichten die Bibel nicht unglaubwürdig? Müsste nicht jedes Kind zu dem Schluss kommen, dass die Bibel nicht sonderlich ernst zu nehmen ist?

 

Gottes Wort ist auf jeder Seite eine Offenbarung seines Wesens, sogar seines Herzens an uns. Ohne Glauben, sagt die Schrift, ist es unmöglich, Gott zu gefallen. „Denn wer zu Gott kommt, muss glauben, dass er ist und dass er die belohnen wird, welche ihn suchen.“ [2] Uns wird die Erschaffung der Welt nicht deshalb offenbart, dass wir wissen, wie alles anfing, sondern zuallererst, wer alles anfing. Im Anfang schuf GOTT...

Genauso sind auch die vielen Wunder wie der redende Esel Bileams und die zahmen Löwen in der Löwengrube nicht dazu da, sich darüber zu verwundern oder rational begriffen zu werden. Nein, Gott offenbart sich eben wieder ein weiteres Mal und Stück für Stück bekommen wir eine Ahnung von seiner Unbegrenztheit, seiner Majestät, seiner Weisheit. Von Anfang an kann Gott nur auf der Ebene des Glaubens verstanden werden. Das ist die Ebene, auf der er sich uns offenbaren möchte. Du, Mensch, hast die Möglichkeit, diesen Gott zu erkennen. Ob die Berichte der Bibel in meinen Augen ein schwer begreifliches Wunder sind oder nicht, die Bibel hält sich mit meiner Befindlichkeit beim Lesen nicht auf. Nahtlos und ganz selbstverständlich reiht sich ein Wunder nach dem anderen in den Gang der Geschichte und bezeugt den dreieinigen Gott, der schuf und der spricht und der handelt. Wenn also Menschen zu dem Schluss kommen, dass Gottes Wort nicht sonderlich ernst zu nehmen ist und es sich im Grunde um eine Sammlung vielleicht lehrreicher, aber auch weniger gut durchdachter Geschichten handelt, hat Gott ihnen nichts zu sagen. Es bekümmert ihn nicht und er verändert sich auch nicht, wenn Menschen die Wunder und somit ihn selbst verspotten. Wir müssen Gott auf der Ebene des Glaubens suchen oder gar nicht.

Das Lamm Gottes

Nachdem Adam und Eva gesündigt hatten, musste ein Tier zum ersten Mal in die Bresche springen. Gott macht ihnen Kleider aus Tierfellen und Adam und Eva müssen mitansehen, wie ein Tier das Leben aushaucht, damit sie die Folgen ihrer Sünde bedecken können. Gott offenbart hier schon ansatzweise das unnachgiebige Gesetz: Leben für Leben. Dem Volk Israel wurde es später weitaus deutlicher vor Augen geführt. In der Nacht vor dem Auszug aus Ägypten, ging der Engel des Herrn durch Ägypten und tötete alle Erstgeborenen in den Häusern, in denen kein Lamm geschlachtet und dessen Blut nicht an die Pfosten der Türe gestrichen war. Am Morgen herrschte großes Trauergeschrei in Ägypten, aber die Hebräer konnten aufatmen: das Gericht ging an ihnen vorüber, denn ein Tier war für sie in die Bresche gesprungen – Leben für Leben. Alle Opfer waren jedoch nur ein Sinnbild auf das, was noch geschehen müsste. Unmöglich konnte durch das Blut von Schafen und Böcken Sünde aus der Welt geschafft werden. [3]

 

Fortan sollte man einmal im Jahr mit dem Passahfest daran erinnert werden: Leben für Leben. Es war eine Erinnerung an den Auszug aus der Sklaverei und die Nacht, die für die einen Gottes Gericht und für die anderen Gottes Gnade bedeutete. Erinnerung eines Volkes an einen Punkt in ihrer Geschichte. Am Abend gingen sie hoffend und glaubend in und durch die Nacht, aber am Morgen waren sie beschenkt und befreit. Das Blut am Eingang des Hauses hatte funktioniert.

Dann kam – und es ist wieder ein Punkt in der Geschichte – derjenige, von dem Johannes der Täufer bezeugt: „Siehe, das Lamm Gottes!“ [4] – Jesus Christus. Nur diesmal ist es ein Punkt in der Geschichte für jeden Menschen und ein für allemal. Gott lässt sein Leben für mein Leben. Gott radiert die Schuld aus. Durch das Opfern eines Tiers konnte ein Mensch seine Sünde aus seinem Gedächtnis streichen. Durch das Opfer am Kreuz kann Gott die Schuld aus seinem Gedächtnis streichen, denn nun ist sie getilgt. Juristisch nicht anzufechten. Jedem steht dieser Rechtsweg offen. Derjenige, der seine Sünden bekennt, kann auf diesem Weg gerechtfertigt werden. Hier herrscht kein Zwang. Wer zu stolz für diesen Weg ist und rebellisch gegen Gott agiert, muss sich selber zu verteidigen versuchen. Vor dem unerbittlichen, weil gerechten Richter der Weltgeschichte ein aussichtloses Unterfangen. Was müssen wir tun? Uns im Vertrauen an Gott wenden und uns auf diesen Punkt in der Geschichte berufen, an dem einer sein Leben für mein Leben gab. Gott ist Liebe, es gab keinen andern Weg.

Der Löwe aus Juda

In der Offenbarung wird uns im fünften Kapitel ein ehrfürchtiges Ereignis vor dem Thron Gottes enthüllt. Johannes erlebt diese Vision so real, dass er anfängt zu weinen, als er erfährt, dass es niemanden gibt, der das mit sieben Siegeln versiegelte Buch öffnen und seine Siegel brechen kann. Doch dann wird er getröstet und sein Blick wird auf das Lamm Gottes gelenkt und einer von den Ältesten sagt: „Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe, der aus dem Stamm Juda ist.“ [5] Das Lamm Gottes ist auch ein Löwe und ist würdig, das Buch zu öffnen und die letzten Ereignisse dieser Welt einzuläuten. Sieben Siegel. Sieben Posaunen. Sieben Schalen. Der Satan wird in den feurigen Pfuhl geworfen. Eine neue Erde und ein neuer Himmel. Man begreift es immer mehr, wir stehen an der Schwelle zu diesen Ereignissen.

 

Die Bibel kommt am Schluss zum Schluss. Und der Schluss ist fest in der Hand dessen, dem alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist – Jesus Christus, der Löwe aus Juda. Wo auch immer wir uns auf dem Zeitstrahl der Weltgeschichte befinden, souverän wird er alles ordnen, alles richten und zurechtrücken, alle Tränen abwischen, alle Überwinder krönen, die um des Glaubens willen Getöteten ehren. Alle Rebellion gegen das Lamm wird verstummen. Der Atheismus wird Gewissheit haben. Die letzten Tage dieses Planeten werden dramatisch sein. Aber man wird weiter Gott lästern und sich wahrscheinlich wünschen: „Bleiben Sie gesund! Passen Sie auf sich auf! Kann nur besser werden!“ Wie gut, wenn man auf der Seite des Löwen steht und seine Hoffnung auf ihn gesetzt hat. Am Abend gehen wir hoffend und glaubend in die Nacht der Weltgeschichte, am Morgen wachen wir befreit und beschenkt auf. Sei getröstet, einer ist würdig – Er ist würdig.



[2] Hebräer 11:6

[3] Hebräer 10:4

[4] Johannes 1:29

[5] Offenbarung 5:5